Europas Fahrermangel & Risiken an der Laderampe

Es ist fünf Uhr morgens in einem Logistikzentrum außerhalb von Frankfurt/Main. Eine lange Reihe von Lastwagen wartet an den Laderampen. Unter den Fahrern sind einige bekannte Gesichter; andere wiederum wurden von Agenturen angeheuert, um kurzfristige Engpässe zu decken.  Im Lagerhaus stehen die Mitarbeiter bereits unter Druck. Sie haben ein klare Zielvorgabe: diese Lastwagen schnell abzufertigen. 

Dies ist die tägliche Realität überall im Logistiknetzwerk Europas, und die Risiken nehmen zu. Der Mangel an Schwertransportfahrern bereitet nicht nur Disponenten Kopfzerbrechen – er ist auch ein Krisenherd für die Sicherheit an der Laderampe, wo das Arbeitstempo rasant und die Gefahren groß ist, sodass schon kleine Fehler schlimme Folgen haben können. 

 

Die Zahlen hinter dem Druck 

Europa hat einen Mangel an Fahrern … einen erheblichen Mangel.  Laut der International Road Transport Union (IRU) hat der Kontinent im Jahr 2025 ein Manko an 426.000 Lastwagenfahrern zu verzeichnen – ungefähr jede zehnte Stelle ist unbesetzt[i]. Und das ist erst der Anfang. Fast jeder dritte Fahrer in Europa ist bereits älter als 55 Jahre[ii], und die Abgänge in den Ruhestand nehmen zu. Bis 2029 werden voraussichtlich über 3,4 Millionen Fahrer aus dem Beruf ausscheiden[iii].

Dieser Rückgang zieht Konsequenzen nach sich. Jedes Mal, wenn neue oder temporäre Fahrer an Ihrem Standort eintreffen, steigt das Risiko. Vielleicht kennen sie Ihre Lichtsignale nicht. Vielleicht sind sie nicht mit Ihrem Fahrzeugrückhaltesystem vertraut. Vielleicht sind sie in Eile, gestresst, oder vom stundenlangen Warten am letzten Lagerhaus übermüdet. Die Folge? Unplanmäßige Abfahrten der Lastwagen sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit von (Beinahe-)Unfällen. 

 

Übermüdung an der Laderampe, nicht nur auf der Straße 

Bei Übermüdung denken wir für gewöhnlich an einen Fahrer, der auf der Autobahn in Sekundenschlaf fällt. Aber die Gefahr tritt bereits viel früher auf. Parken ohne Einlegen der Bremsen, vergessene Radrückhaltesysteme, Fehldeutung von Signalleuchten an der Laderampe: das sind die klassischen Fehler aufgrund von Ermüdung. 

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass durch Ermüdung 15 bis 20 % der schweren Unfälle auf Europas Straßen verursacht werden[iv]. Mit den langen Wartezeiten an vielen Laderampen (in Spanien warten über 70 % der Frachtführer länger als eine Stunde nur auf das Beladen oder Entladen)[v] haben Sie die Erklärung für müde, unaufmerksame Fahrer, die tagtäglich Ihre Laderampen ansteuern. 

 

Warum die Rampe das schwächste Glied ist 

Laderampen gehören ohnehin zu den gefährlichsten Bereichen im Logistiksektor. Gabelstapler, Anhänger, Fußgänger und strikte Zeitpläne treffen auf engstem Raum aufeinander. Britische Sicherheitsdaten zeigen, dass an 43 % der Vorfälle mit Gabelstaplern andere Personen als der Fahrer beteiligt sind, häufig Fußgänger, Arbeitskollegen oder Fernfahrer auf Tour[vi]. Das ist nicht einfach nur Pech, sondern ein Systemproblem. 

Und wenn unter Druck alles schneller gehen soll, vervielfacht sich das Risiko. Das Auslassen eines Sicherheitsschritts scheint da ein geringer Kompromiss zu sein … bis aus dieser „Zeitersparnis“ ganze Ausfalltage, verletzte Arbeiter und beschädigtes Vertrauen werden. 

 

Was Führungskräfte anders machen können 

Die gute Nachricht? Risiken an der Laderampe können drastisch gesenkt werden. Aber dazu ist mehr als eine weitere Compliance-Checkliste nötig. Europäische Lagerhäuser brauchen intelligentere, klarere und mehr auf den Menschen ausgerichtete Sicherheitspraktiken, die dem Druck der realen Arbeitswelt standhalten. 

Hier ist der Anfang: 

  • Erstellen Sie Standards den Ablauf an der Laderampe.
    Beständigkeit ist alles. Kooperieren Sie mit einem bewährten Dienstleister für Laderampensicherheit, einem Partner, der seine Lösungen mit erprobter Zuverlässigkeit und der besten Garantie auf dem Markt absichert. Setzen Sie auf einfache, robuste Fahrzeugrückhaltesysteme, kombiniert mit Schalttafeln und audiovisuellen Kommunikationsmitteln im Innenbereich. Universelle (rote und grüne) Signalleuchten machen den Vorgang intuitiv: Die Fahrer können die Hinweise nicht übersehen, egal, ob sie zum ersten oder zum wiederholten Mal vor Ort sind.
  • Gehen Sie Übermüdung direkt an.
    Durch überfüllte Betriebsgelände und lange Wartezeiten kommt es nicht nur zu Verzögerungen im Güterverkehr, sondern eine weitere Folge sind müde, unaufmerksame Fahrer, die anfälliger für Fehler sind. Sorgen Sie für ein realistisches Zeitmanagement, bieten Sie sichere und komfortable Wartebereiche und arbeiten Sie mit Transportunternehmen, die die Grenzen für Haltezeiten eindeutig festlegen.
     
  • Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, nicht nur Compliance.
    Sicherheit hört nicht bei der Ausrüstung auf. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter, Beinaheunfälle zu melden, und reagieren Sie schnell darauf. Diskutieren Sie über gemeinsame Gesundheits- und Arbeitschutzausschüsse, bevor die Hochsaison beginnt, und nicht erst nach dem ersten Vorfall. Wenn die Führungsebene die Sicherheitskultur ernst nimmt, schließen sich alle anderen an. 

 

Der Weg vor uns 

Der Fahrermangel wird in absehbarer Zukunft nicht vorbei sein. Durch die alternde Erwerbsbevölkerung in Europa wird sich der Zustrom von neuen und weniger erfahrenen Fahrern nur noch verstärken. Deshalb müssen Schulungen klar und systematisch durchgeführt sowie Abläufe an allen Standorten konsequent umgesetzt werden. Die Sicherheitshinweise, von Geräteanweisungen bis zur Signalleuchtenabfolge an der Laderampe, müssen für alle deutlich sichtbar sein.     

Laderampen sind das Druckventil von Europas Lieferkette. Wenn Sie dafür sorgen wollen, dass der Güterverkehr sicher durch die nächsten kritischen Jahre kommt, ist es jetzt an der Zeit, Ihre Verfahren an der Laderampe zu überdenken. Standardisierte Abläufe, intelligente Ausrüstung und starke Partnerschaften mit Transportunternehmen sind keine optionalen Extras, sondern die Grundausstattung. 

Denn im Logistiksektor kommt es auf Geschwindigkeit an. Dabei steht die Sicherheit an erster Stelle. Immer. 

 

Sie möchten die Risiken an Ihren Laderampen reduzieren? Kontaktieren Sie uns. Ein Sicherheitsexperte hilft Ihnen gerne weiter. 

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Quellen:

[i] IRU. (2025). Driver shortage Europe: 426,000 unfilled HGV jobs in 2025.
[ii] IRU. (2023). Truck driver demographics in Europe: ageing workforce, with 30%+ over 55.
[iii] IRU. (2025). 3.4 million European drivers expected to retire by 2029.
[iv] European Commission (ERSO). (2023). Road Safety Thematic Report: Driver Fatigue — 15–20% of serious crashes.
[v] CargoON / CEL. (2024). Logistics challenges in Europe: Managing loading and unloading areas and new regulations
[vi] UK National Forklift Safety Day (2024, RIDDOR data). 43% of forklift incidents involve a third person.